Vorwort

Niemand muß verzweifeln,

wenn er feststellt, dass das bisherige Leben als Mann oder Frau nicht wirklich den eigenen Empfindungen entspricht. Dafür gibt es vielfältige Gründe.

Sich selbst als Frau zu empfinden ist die eine Seite, dies aber im Alltag auch leben zu können, etwas ganz anderes. Wer aber sicher ist, sich selbst anders zu empfinden als seine rechtliche Dokumentation und das auch bis ans Ende seiner Tage leben möchte, dem können diese Seiten helfen, den Weg des sozialen Wechsels zu beschreiten.

Wir sind kein „Freiwild“ für Ärzte, Psychologen, Ämter und Behörden.

Das Grundgesetz ist auf unserer Seite. Dennoch ist dieser Weg alles andere als einfach. Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, dass Hormonbehandlung und Operationen nur angleichende Maßnahmen sind. Niemand wird dadurch mehr Mann oder Frau als wir es auch schon vorher waren. Das eine wollen wir nicht sein und das andere können wir niemals werden. Auch wie weit dieser Weg führt, bestimmt jeder selbst. Wir sind keine Menschen zweiter Klasse, es sei denn, wir machen uns selbst dazu. Auch wenn die Gesellschaft uns als psychisch krank darstellt. Für dieses Zugehörigkeitsempfinden sind weder Eltern noch die Kinder selbst verantwortlich. Es ist einfach eine Laune der Natur, die in den ersten Wochen der Schwangerschaft ihre Ursachen hat. Jeder kann davon betroffen sein, unabhängig seiner beruflichen Bildung oder sozialer Schicht.

Mut

Wer den Mut besitzt, entgegen aller kulturellen und gesellschaftlichen Hürden zu seiner eigenen psychischen Geschlechtlichkeit zu stehen, sollte mit Hochachtung behandelt werden und nicht verpönt oder Diskriminierungen ausgesetzt sein.

Wir können unseren gewünschten Vornamen von Anfang an nutzen, wie bei Verträgen oder Ummeldungen. Dies ist weder eine Falschbeurkundung im Amt noch strafbar. Nur der Personalausweis und die Geburtsurkunde können durch das Gericht geändert werden. Dennoch ist soziale Ausgrenzung eine verbreitete Erscheinung auf dem Weg zum eigenen ich und erschwert erheblich eine Eingliederung nach dem sozialen Wechsel in die Gesellschaft. Der Mitbürger kann selten zwischen Fetisch, Transvestit oder Transidentität bzw. Hermaphrodit unterscheiden. Behörden und Ämter in unserem Umfeld kennen aber den Unterschied und entsprechend dem BVG-Urteil 1833/95 können wir die Achtung unserer Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht fordern.

Dabei hilft auch der Ergänzungsausweis der dgti e.V., nur ist er leider nicht überall bekannt, weder bei Institutionen die diese Änderungen vornehmen, noch bei vielen Betroffenen selbst. Ein beigefügtes Schreiben des Bundesministeriums des Innern aus dem Jahre 2004 zur Würdigung des Ergänzungaausweises ist hier hilfreich. In Verbindung mit der Grundsatzaussage des BVG-Urteils und der Entschließung des Europarates an den Deutschen Bundestag (insbesondere der Punkt 9) hat aber auch das Verwaltungsrecht eine Grundlage, unsere Unterlagen auf den gewünschten Vornamen entsprechend unserer Sozialisierung als Frau anzupassen.

Von dieser „Geschlechtsidentitätsstörung“, wie Mediziner diese naturgegebene Grundlage gerne nennen, sind 0,5% der Bevölkerung, als ca. 400 000 Menschen in Deutschland betroffen. Dies ist also nicht so selten wie es oftmals angenommen wird. Niemand ist mit seinem Problem allein. Hilfe gibt es bei Betroffenenvereinen oder Selbsthilfegruppen. Diese Möglichkeit sollte jeder nutzen, da hier viele selbst Betroffene sich ehrenamtlich engagieren, um Menschen in dieser Situation zu helfen und Unwissende für diese Problematik zu sensibilisieren.

Anke Streifeneder

SHG Trans – Identität.

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